Landwirtschaft praktisch erleben – spannender Unterricht auf Bauern- und Winzerhöfen

60 Betriebsleiter/innen und Unterstützer/innen nahmen an einer Fachtagung im Rahmen der aktuellen EU-Fördermaßnahme in Bad Kreuznach teil.

Schwerpunktthema bildete der Einsatz aktueller Arbeitsmittel und Medien für das außerschulische Lernangebot auf den Bauern- und Winzerhöfen.

Kindern und Jugendlichen ein realistisches Bild der heutigen Landwirtschaft und der Lebensmittelerzeugung zu vermitteln - das ist für das Land Rheinland-Pfalz ebenso wichtig wie für die landwirtschaftlichen Verbände und Betriebe. Seit März 2018 ist die Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz (LWK) mit der Umsetzung der EU-Fördermaßnahme Lernort Bauernhof (LOB) beauftragt. Bis Februar 2022 ist die Förderung der außerschulischen Unterrichtseinheiten sicher gestellt. Maria Caesar, LWK, stellte die aktuellen Zahlen vor. Derzeit bieten 65  Betriebe Angebote für Schulklassen aller Schulformen an. In 2019 wurden 311 außerschulische Unterrichtseinheiten gefördert und dadurch 5.951 Schülerinnen und Schüler erreicht. Am häufigsten kommen Grundschulklassen auf die Betriebe. Aber auch Gymnasien und Förderschulen nehmen das Angebot zunehmend wahr.

Die Fachtagung gab Anregungen, aktuelle und anschauliche Medien bei den unterschiedlichen Klassenstufen einzusetzen. Christiane Wellensiek, Diplom-Agraringenieurin der Projektwerkstatt „TatschMo“ aus Heidelberg, stellte in ihrem Vortrag zahlreiche Arbeitsmittel und Medien vor.  Es gibt so viele Medien, dass es manchmal schwer fällt, die geeigneten aus der Fülle auszuwählen. So gab sie zunächst einen Überblick über Medien für die organisatorische und anschließend für die inhaltliche sowie methodische Planung eines Schulklassenbesuchs. Anschauliche Posterbeispiele, z. B. zur Gestaltung einer Station im Rahmen einer Lerneinheit rundeten ihren Beitrag ab. Sie gab unter anderem folgenden praktischen Tipp zur Umsetzung: „Laminieren Sie die Aufgabenblätter, damit die Schüler sie in Feld und Stall direkt ausfüllen können. Der Vorteil ist, dass laminierte Blätter mehrfach einsetzbar sind“. Maria Caesar betonte bei ihrer Moderation, dass der außerschulische Unterricht auf den Betrieben schon mit einer gründlichen Vorplanung beginnt: „Sprechen Sie mit den Lehrkräften im Vorfeld ab, wer welche Aufgabe auf dem Betrieb übernimmt.  Übermitteln Sie die Hofregeln, damit die Schüler und Schülerinnen wissen, wie sie sich auf Ihrem Betrieb verhalten müssen.“ Herbert Netter, Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau, arbeitete mit den Teilnehmenden besonders erfolgreiche Aktivitäten für Schulklassen heraus. „Kinder und Jugendliche  lieben es gleichermaßen, Tiere zu berühren, die Körperwärme zu fühlen und die Tiere zu beobachten. Außerdem arbeiten sie gern mit und wollen Landwirtschaft mit allen Sinnen erspüren“. Die Tierärztin Dr. Theresa Scheu, Hofgut Neumühle, gab Hinweise zur Biosicherheit auf dem Lernort Bauernhof: „ Beachten Sie auf alle Fälle die Grundlagen der Hygiene. Informieren Sie Schulklassen und Lehrkräfte über hygienische Anforderungen, wie das Hände waschen und stellen Sie angemessene Schutzkleidung zur Verfügung“.

Zwei LOB-Betriebe stellten ihre Konzepte zum außerschulischen Unterricht vor. Sabine Nußbaum, seit 1988 mit ihrem Familienbetrieb bei Kalenborn für LOB als Bauernhofpädagogin tätig, wies darauf hin, dass sie ihr Lehrangebot immer situationsbedingt und individuell auf die Gruppen abstimme: „Geflügel ist sehr gut geeignet für die pädagogische Arbeit mit Kindern. Die Hühner kommen auf die Schülerinnen und Schüler zu und lassen sich gern auf den Arm nehmen und streicheln“.

Elke Inden-Krämer bietet auf Ihrem Biohof Bölingen in Grafschaft  ganzjährig verschiedene Unterrichtsprojekte zu den Themen Biodiversität und Obstbau an. Besonders beliebt sind ihre Mitmach-Forschungsstationen, bei denen die Schülerinnen und Schüler selbstständig kleine Forschungsaufgaben wie zum Thema Honigbienen oder Wildkräuter unter Aufsicht durchführen können. Sie betonte:  „Jedes pädagogische Konzept ist detailliert geplant und vorbereitet“. Für den Unterricht wurde eigens ein Teil der Obstplantage in ein „grünes Klassenzimmer“ umgewandelt.

Die Teilnehmenden der Fachtagung freuten sich über die vielen  praxisbezogenen Informationen und die Möglichkeit des gegenseitigen Erfahrungsaustausches.


Hintergrundinformationen
Mit „Lernort Bauernhof“ schafft das Land Rheinland-Pfalz ein außerschulisches Lernangebot auf Bauern- und Winzerhöfen für Schülerinnen und Schüler aller Klassen- und Schulstufen an allgemeinbildenden Schulen im ganzen Land. Die Maßnahme wird im Rahmen des rheinland-pfälzischen Entwicklungsprogramms „Umweltmaßnahmen, Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft, Ernährung“ (EULLE) vom Land, vertreten durch das Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau, und dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des Ländlichen Raumes (ELER) finanziert. Die Landwirtschaftskammer RLP wurde mit der Umsetzung beauftragt und organisiert die Schulungen für Betriebsleiter/innen, bietet Fortbildungen für Lehrkräfte an und ist für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Die Fachtagung wurde in Kooperation von Pädagogischem Landesinstitut und LWK organisiert.  
Informationen für Lehrkräfte, Betriebe und Interessierte finden sich im Internet unter www.lernort-bauernhof-rlp.de.




EULLE-Maßnahme Lernort Bauernhof Rheinland-Pfalz

Die Maßnahme wird im Rahmen des rheinland-pfälzischen "Entwicklungsprogramms Umweltmaßnahmen, Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft, Ernährung“ (EULLE) vom Land, vertreten durch das Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau, und dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des Ländlichen Raumes (ELER) finanziert.